Die internationale Wissenschaftskonferenz zum Nachhaltigen Konsum fand jetzt in Hamburg statt. Forscher aus der sozial-ökologischen Forschung präsentierten und diskutierten über drei Tage ihre Methoden, Instrumente und Erkenntnisse mit dem internationalen Publikum. Das e2democracy-Projekt des ifib war ebenfalls eingeladen, das Forschungsdesign und die vorläufigen Ergebnisse auf der vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft veranstalteten Konferenz vorzustellen und mit Teilnehmer/-innen zu diskutieren. e2democracy erforscht u.a., ob und welchem Ausmaß die Beteiligung von Bürger/-innen einen Effekt auf das persönliche Klimaschutzverhalten ausüben kann.
Wie viele Initiativen, die sich mit Lebensstiländerungen befassen, steht auch e2democracy vor dem Phänomen oder ungelösten Problem der sog. Attitude-Behaviour-Gap. Also der Lücke (gap) zwischen der individuellen Einstellung von Menschen gegenüber einem Thema wie dem Klimaschutz (attitude) und dem individuellen Verhalten für den Klimaschutz (behaviour). Trotz einem sehr hohen Grad an Klimawissen in der Bevölkerung und der Erkenntnis, dass Klimaschutz sehr wichtig ist (in internationalen Ranglisten liegt Deutschland diesbezüglich auf den vorderen Plätzen) ist der Großteil nicht bereit oder fähig, der eigenen Erkenntnis Folge zu leisten und sein Verhalten entsprechend zu überprüfen und anzupassen.
Dies hat vielschichtige Ursachen, für deren Überwindung es kein Patentrezept gibt. Ein großes Hindernis ist beispielsweise die fehlende direkte Betroffenheit des Einzelnen. Obwohl wir in Europa für einen Großteil der gefährlichen CO2-Emissionen verantwortlich sind, kann der daraus resultierende Klimawandel hierzulande kaum wahrgenommen werden. Leidtragende sind erst mal die Bewohner in anderen Erdteilen, die allerdings kaum oder gar nicht zum Treibhauseffekt beitragen. Zudem sind die Auswirkungen des Klimawandels stark zeitverzögert. Die persönliche Risikobewertung fällt somit niedriger aus, genauso wie der wahrgenommene Schweregrad einer potenziellen Gesundheitsgefährdung. Handlungen müssen somit auch über andere Anreizsysteme stimuliert werden. Gegenseitige Unterstützung und Gemeinschaftsgefühl können eine Möglichkeit sein, denn in der Gruppe ist man mutiger und lässt sich leichter inspirieren. Aber es benötigt auch Vorbilder, die voraus gehen. Auch wenn dies bedeutet, unbequeme Wege beschreiten zu müssen.
Ausführliche Informationen zur Konferenz erhalten Sie hier: http://www.sustainableconsumption2011.org
Die Posterpräsentation hier: http://www.ifib.de/publikationen.html?suche=go&id_pub=1041
Gesendet von R. Cimander
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Der Ort hatte Symbolcharakter: Hoch über Bremen und mit fantastischem Ausblick über die Stadt wurde am 11. November im Weser Tower der Wettbewerb Apps4Bremen gestartet. In ihrer Begrüßung wies Karoline Linnert, Bremens Finanzsenatorin, darauf hin, dass der Weitblick, der sich vom obersten Stockwerk des höchsten Bürohauses der Stadt bot, gut zur Transparenz passt, die mit Open Data in die deutschen Verwaltungen einziehen soll. Eingebettet in die Initiative Apps4Deutschland will Bremen mit Sonderpreisen für Entwicklungen von Anwendungen auf der Basis Bremer Daten sowie mit einem Ideenwettbewerb der Bremer Wirtschaftsörderung für noch mehr Schwung in Sachen Open Data sorgen. Damit setzt Bremen die mit dem fortschrittlichen Informationsfreiheitsgesetz und dem darauf basierenden Informationsregister begonnene Tradition für mehr Offenheit ider Verwaltung fort. Zuletzt hatte die Anfang des Jahres formulierte Bremer Empfehlung zu Open Government Data, an der auch das ifib maßgeblich beteiligt war, für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt.
(Blick aus dem Weser Tower; Foto: Martin Wind)
Nach der Begrüßung durch Karoline Linnert gab Anke Domscheit-Berg einen Überblick über die Prinzipien von Open Data, über gelungene Beispiele und über die aktuellen Aktivitäten in Berlin. Anschließend zeigte Dr. Walter Marahrens vom Verein SpielLandschaftStadt anhand des Bremer Familienstadtplans wie bereits heute private Initiativen mit öffentlichen Daten für attraktive und hilfreiche Angebote im Netz sorgen. Die ökonomische Seite der App-Entwicklung wurde dann von Dr. Volker Redder, geschäftsführender Gesellschafter der i2dm GmbH, beleuchtet. Unter anderem wies er darauf hin, dass attraktive Apps “nicht mal eben am Sonntagnachmittag” entstehen, sondern mit erheblichem Entwicklungsaufwand verbunden sind - “sonst wären sie nämlich billiger”.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden Einzelheiten zum bundesweiten Wettbewerb Apps4Deutschland, zum Ideenwettbewerb und zu den Sonderpreisen Bremens präsentiert. Unter der Moderation von Prof. Dr. Herbert Kubicek (ifib) stellten anschließend Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Verwaltungen die dazu bereit gestellten Datenbeständen vor. Die Vorträge wurden abgerundet durch den Beitrag “Open Data zwischen Informationsfreiheit und Datenschutz” von Dr. Imke Sommer, der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Bremen. Beendet wurde die Veranstaltung durch eine Diskussionsrunde mit Mitgliedern der Bremischen Bürgerschaft, die sich unter der Leitung von Dr. Martin Hagen, IT-Referatsleiter bei der Bremer Senatorin für Finanzen, mit der Frage “Was erwartet die Politik von der Verwaltung?” auseinandersetzten.
Der Auftakt zu Apps4Bremen markiert sicherlich einen weiteren Meilenstein in den Bemühungen, die Datenbestände der Verwaltung zu öffnen - in Bremen und weit darüber hinaus. Vor allem wurde deutlich, dass sich die Phase der programmatischen Erklärungen mehr und mehr ihrem Ende entgegen neigt, Einzelfragen zur Ausgestaltung von Open Data in den Vordergrund rücken und es nun an die die praktische Umsetzung geht. Interessante Nachfragen und Diskussionen gab es z.B. zu Details der Lizenzbedingungen, zur Frage der Veränderbarkeit von bereit gestellten Datenbeständen und vor allem zur Zulässigkeit von Gebühren, die für Verwaltungsdaten erhoben werden könnten.
Und so hatte auch der Abschluss der Veranstaltung etwas Symbolisches: Mit dem gläsernen Fahrstuhl ging es in rasantem Tempo aus dem 21. Stock zurück auf den Boden der Tatsachen. Nun sind die Entwickler gefragt. Auf der CeBIT im März 2012 werden wir sehen, welche Ideen umgesetzt worden sind.
Nachtrag: Die Folien der Veranstaltung stehen bei daten.bremen zum Download bereit.
Gesendet von M. Wind
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Der erfolgreiche Einsatz von Informationstechnik erfordert die angemessene Berücksichtigung jeweils spezifischer sozialer, politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen im Anwendungsfeld. Doch noch immer scheitern IT-Projekte auch an einer Verkürzung auf technische Sachverhalte. Die Beiträge in vorliegendem Sammelband setzen sich mit unterschiedlichen Varianten solcher Organisationslücken die Bezeichnung geht auf Arbeiten von Herbert Kubicek zurück auseinander.
Aus Anlass des Wechsels in der Leitung des ifib haben Andreas Breiter und Martin Wind einen aktuellen Sammelband mit zahlreichen Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis zu den sozialen, politischen und rechtlichen Dimensionen des IT-Einsatzes zusammengestellt.
Aus dem Inhalt:
Erscheinungsformen der Organisationslücke: Perspektiven auf die Einbettung der Informationstechnik
Martin Wind & Andreas Breiter
Teil I
Organisationen und ihre IT
Treffpunkt Kooperationsplattform
Ralf Armbruster & Reinhard Jonas
Von freien Informationen und transparenten Organisationen
Claas Hanken
Die Organisatorische Brücke Ein Ansatz zur Bewältigung or-ganisatorischer Lücken in IT-Projekten am Beispiel des Elektronischen Gerichts- und Verwaltungspostfachs
Stephan Klein & Jan Windheuser
Organisation der IT-Unterstützung schulischer Bildungsprozesse dargestellt am Beispiel eines großen Schulträgers
Horst Tahetl-Matheis
Web 2.0-Technologien und Organisationsarbeit: wird die Lücke größer?
Marianne Wulff
Teil II
Politische Initiativen und ihre Umsetzung
Anschluss oder Ausschluss?
Jutta Croll
Medien- und IT-Management in Schulen am Scheideweg
Rudolf Peschke
eLearning: Vision und Wirklichkeit.
Ulrich Schmid
Teil III
Die Rolle der Wissenschaft für die Praxis
Was hat die Wissenschaft für E-Government getan?
Martin Hagen
Hypothesengeleitete Technikgestaltung als Grundlage einer kontextuellen Informatik
Reinhard Keil
Informationstechnik, Beratung und Innovation
Alfred Kieser
Learning Communities und Praktiksonden als Instrumente der Analyse und Entwicklung IndustrieweiterInformationsinfrastrukturen
Kai Reimers
Über das Bauen von Brücken und das Füllen von Lücken
Arno Rolf
Pilotierungsforschung
Gerhard Schwabe
Teil IV
Die Organisationslücke und der Datenschutz
Zukunftsfähiges Datenschutzrecht für Deutschland und Europa
Alexander Roßnagel
Informationstechnik und Privacy by Design: Eine Win-Win-Situation
Peter Schaar
Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit Anspruch und Wirklichkeit
Thilo Weigert
Verlagsinformationen und Bestellmöglichkeit
Gesendet von M. Wind
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Etwas pathetisch, aber nicht falsch, hat “Der Freitag” ein Interview zu Open Government Data betitelt. Durch die Überschrift wird nicht ganz klar, wer an Bremen denkt, wenn er an Freiheit denkt: der Interviewer oder der Interviewte. Richtig ist, dass der im ursprünglichen Sinne liberale Stadtstaat das fortschrittlichste Informationszugangsgesetz hat, das seinen Bürgerinnen und Bürgern einen freien, d.h. von Begründungen unabhängigen Zugang zu amtlichen Informationen und Dokumenten einräumt. Dieses Recht soll im Zuge der aktuellen Open-Data-Diskussion auch auf weiterverarbeitbare Daten ausgeweitet werden. Dies ist auch dem Bund zu empfehlen.
In dem Interview geht es aber auch noch um eine andere Freiheit, nämlich das informationelle Selbstbestimmungsrecht und einen grundsätzlichen Zielkonflikt zwischen der Zweckbindung bei der Erhebung personenbezogener Daten und der Forderung nach beliebiger Weiterverarbeitung von Rohdaten, die häufiger personenbeziehbar sind als viele denken. In diesem Zusammenhang empfehle ich das Gutachten des ULD “Datenschutz und Geoinformationen”.
Zum Interview geht es hier.
Gesendet von Herbert Kubicek
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“Netz”-Demokratie? Wie bei vielen aus zwei Substantiven zusammengesetzten Ausdrücken sind bei der Kombination “Netz”-Demokratie zwei Interpretationen möglich. Zum einen kann es um die Demokratie im “Netz” gehen, zum anderen um die Demokratie durch das “Netz”. Kaum missverständlich dürfte sein, dass mit “Netz” das Internet gemeint ist, was daran aber genau, ist keineswegs eindeutig, und bei den beiden genannten Interpretationen tendenziell unterschiedlich.
Betrachten wir kurz den Aspekt der Demokratie im Netz. Anders als Rundfunk- und Fernsehsender oder Verlage und Druckereien gehört das Internet nicht einem Eigentümer und wurde auch nicht aufgrund eines Gesetzes errichtet. Im Kern ist es eine Menge technischer Standards für die Datenübertragung zwischen Computern unterschiedlicher Hersteller (vor allem TCP/IP, das Internet-Transportprotokoll), und eine Systematik für die Zuweisung von Adressen der beteiligten Rechner (IP-Adressen). Hinzugekommen ist die weltweite Vergabe und Verwaltung von Domain-Namen. Wie andere Standardisierungsgremien erfolgt die Organisation dieser Standardisierungsaufgaben in internationalen Gremien (Ausschüssen, Arbeitsgruppen), die teilweise staatlich anerkannt werden wie z.B. ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) oder das W3-Konsortium, das technische Standards für das World Wide Web definiert, öffentlich zur Diskussion stellt und letztlich verabschiedet. Diese Organisation des Mediums Internet kann man demokratisch nennen, allerdings mit einem starken Anteil an Expertokratie.
Davon zu unterscheiden ist die Produktion und Auswahl der Inhalte. Es gibt keinen Verleger oder Chefredakteur. Grundsätzlich kann jeder zugleich Autor und Rezipient bzw. Sender und Empfänger sein. Selbstverständlich finden etablierte Institutionen eine größere Aufmerksamkeit als einzelne Individuen. Aber die Chancen werden immer wieder neu gemischt. Blogger zum Beispiel erreichen teilweise höhere Nutzungszahlen und damit Reichweiten als Online-Angebote von Tageszeitungen. Auch dies kann man Demokratie im Netz nennen, allerdings mit einem gewissen Anteil Anarchie.
Auf diesen Aspekt der Demokratie im Netz möchte ich im Folgenden nur noch indirekt eingehen. Im Vordergrund soll vielmehr die Frage stehen, ob und wie sich politische Beteiligung durch das Internet gewandelt hat. Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, weil der Bereich der politischen Beteiligung insgesamt sehr vielfältig ist und weil dort, wo ein Wandel zu beobachten ist, dieser nicht einzig und allein auf die Nutzung des Internet zurückzuführen ist.
Im Beitrag “Zum Wandel politischer Beteiligung durch das Internet” werden acht Formen politische Beteiligung vorgestellt und kommentiert.
Gesendet von Herbert Kubicek
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