Seit einiger Zeit engagiert sich das eine oder andere Mitglied des ifib-Teams bei Barcamps oder bei Veranstaltungen, die an dieses Format angelehnt sind (u.a. IdentityCampBremen 2008, E-Government 2.0 Camp Berlin, SocialCamp, Socialbar Bremen). Was ist ein Barcamp? Ich möchte jetzt nicht auf die Herkunft des Namens eingehen (lässt sich bei Wikipedia nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/BarCamp). Wichtiger ist es, einige wesentliche Merkmale dieser Veranstaltungsform zu skizzieren. Typischerweise werden auf einem Barcamp Themen aus dem Bereich Social Software (landläufig auch Web 2.0) behandelt. Es lassen sich Analogien zur Entwicklung freier, quelloffener Software ziehen. Ein Barcamp lebt von der Partizipation möglichst vieler engagierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Trennung zwischen Publikum und Vortragenden soll - soweit möglich - aufgelöst werden. Die Initiatoren einer solchen offenen Veranstaltung setzen im Idealfall nur einen groben Rahmen und geben Anstöße für die Erledigung von organisatorischen Teilaufgaben durch andere Beteiligte. Es existiert kein Veranstaltungsprogramm, das monatelang vorher festgelegt wurde, vielmehr wird das Programm unter Beteiligung aller Teilnehmer im Netz vorbereitet (mit Hilfe eines Wikis) und ist selbst am Veranstaltungstag noch beweglich. Gemeinsam ist den Barcamps, dass Social-Media-Fachleute und -Begeisterte mit Fachleuten aus einem bestimmten Bereich nutzenbringend zusammengebracht werden sollen.
Das unter anderem vom ifib unterstützte Government 2.0 Camp in Berlin am 28.08.2009 kann als ein erfolgreicher Versuch angesehen werden, die Barcamp-Grundlagen auf eine Veranstaltung mit Vertretern aus Regierung und Behörden in Deutschland zu übertragen. Meiner Ansicht nach wurde ein guter Weg gefunden, partizipative Elemente in die Veranstaltungsorganisation einzubringen, ohne dabei die Gepflogenheiten im Umgang mit Verwaltungsvertretern völlig über Bord zu werfen. Dieser Kompromiss war notwendig, um nicht nur Social-Media-Fachleute und -Begeisterte in Berlin zu versammeln, sondern etwa auch das BMI für die Veranstaltung zu gewinnen. Das ausgewogene Mischungsverhältnis zwischen IT- bzw. Web-2.0-Spezialisten und Teilnehmern aus Behörden bildete eine gute Basis für Vernetzung und Austausch. Die spürbare Zutat Vertriebspersonal sehe ich als unvermeidbare Nebenerscheinung an, einen Ausverkauf des BarCamp-Formats kann ich hierin nicht erkennen. Es ist bemerkenswert, dass der Anteil von Teilnehmern aus der öffentlichen Verwaltung in Berlin größer war, als beim Government BarCamp in Washington 2008 (http://gov20camp.eventbrite.com), bei dem Teilnehmer vom “Capitol Hill” eher die Ausnahme waren (siehe Dokumentation bei IBM).
Auch wenn die Teilnehmer aus der öffentlichen Verwaltung sich häufig deutlich kritisch geäußert haben (etwa: “das käme ja einer Revolution gleich” oder “wenn wir die bewährten Strukturen übergehen, können die Kontrollmechanismen nicht mehr greifen”) sind doch Samen für eine neue Verwaltungskultur gestreut worden. Die meisten Teilnehmer waren sich darüber einig, dass die Einführung neuer technischer Hilfsmittel sinnlos ist, solange sich nicht das Selbstverständnis der Verwaltung ändert.
Aus der großen Zahl der spannenden Sessions möchte ich das Thema “Kommunalverwaltung 2.0, Bürgerbeteiligung und die Rolle von Nonprofit-Organisationen auf kommunaler Ebene” herausgreifen (Folien bei Slideshare). Frau Dr. Brigitte Reiser, die sich seit längerem intensiv mit diesem Themenfeld befasst, hat deutlich gemacht, dass auch zivilgesellschaftliche Organisationen erheblich von den Beteiligungs- und Vernetzungpotentialen neuer technikgestützter Partizipationsmodelle profitieren können. Tatsächlich ist es unausweichlich, dass NGOs und NPOs ihre Verbindung zur Mitgliedsbasis verbessern und themenbezogene Kooperationen mit anderen Organisationen suchen, um zukunftsfähig zu bleiben. Ich habe diese Session herausgegriffen, da sie nahtlos zum Socialcamp am 3. und 4. Oktober in Berlin (http://www.socialcamp-berlin.de) überleitet. Hier sollen nicht Behörden, sondern gemeinnützige Organisationen im Mittelpunkt des Barcamps stehen.
Um den Austausch zwischen Internetexperten und Vertretern gemeinnütziger Organisationen lokal zu fördern, werden als Tochterveranstaltungen des Socialcamps so genannte Socialbars organisiert. Eine solche offene Veranstaltung im kleineren Rahmen bringt einen gewissen Stammtisch-Charakter mit sich. Es wird nicht vom Podium aus doziert, sondern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können - soweit möglich - gleichberechtigt interessante Social Software, Projekte, Kampagnen oder Kooperationsvorhaben vorstellen. Die erste Socialbar Bremen - http://www.socialbar-bremen.de - findet am 1. Oktober 2009 im Alten Fundamt, Auf der Kuhlen 1a, 28203 Bremen, statt. Vielleicht sind auch Sie dabei?

Logo: Socialbar Bremen unter CC
Themenbezogene ifib Publikationen:
Lippa / Trénel: E-Petitionen. Ein altes Recht im neuen Gewand
http://www.ifib.de/publikationsdateien/E-Petitionen_gov2.0_BarCamp_Lippa_Trenel.pdf
Hanken: E-Government 2.0, Freie Lizenzen und Informationsfreiheit
http://www.ifib.de/publikationsdateien/2009_09_Hanken_ifib.pdf
Gesendet von C. Hanken
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Die Integration von digitalen Medien in den Unterricht verläuft schleppend. Zwar kommt es teilweise schon zu einer Veränderung der unterrichtlichen Lernkultur dahingehend, dass Schülerinnen und Schüler stärker eigenaktiv tätig sind, häufiger zusammenarbeiten und die Lehrkräfte verstärkt individuell beraten und unterstützen. Gleichwohl nutzt nur ein relativ geringer Teil der Lehrkräfte die digitalen Medien regelmäßig im Unterricht und dann vor allem, um etablierte Unterrichtsmethoden zu unterstützen.
Neben vielen inhaltlichen und organisatorischen Problemen wie unterschiedliche unterrichtliche Überzeugungen der Lehrkräfte, unzureichende Aus- und Fortbildungsangebote, fehlende didaktische Konzepte, eingeschränkter technischer und pädagogischer Support oder mangelndes Engagement der Schulleitung wird auch immer noch der unzureichende Zugang zu digitalen Medien in den Schulen als Ursache dafür genannt. Die individuelle Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit mobilen Endgeräten kann dabei Abhilfe schaffen.
Untersuchungen von verschiedenen nationalen und internationalen Laptop-Projekten zeigen, dass sich der Einsatz mobiler Endgeräte positiv auf die Motivation und die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Die Ergebnisse hinsichtlich der Veränderung des Unterrichts sind in den verschiedenen Projekten jedoch uneinheitlich. Unabhängig davon gibt die zunehmende Verbreitung relativ kostengünstiger Netbooks der individuellen Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit mobilen Endgeräten neuen Auftrieb. Somit besteht nach wie vor erheblicher Forschungsbedarf hinsichtlich der Herausforderungen der Medienintegration im Allgemeinen und zum Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht im Besonderen.
Das ifib hat eine Studie über einen Schulversuch zur Einführung von Tablet PCs an einer gymnasialen Oberstufe durchgeführt. Darin wurden die Schülerinnen und Schüler einer Lerngruppe in der 11. Klasse sowie drei ihrer Lehrkräfte, die die Gruppe in den Fächern Mathematik, Biologie und Geografie unterrichten, Anfang 2008 mit jeweils einem Tablet PC ausgestattet. Das Projekt wurde mit dem Ziel durchgeführt, u.a. mehr darüber zu lernen, wie solche Geräte im Unterricht eingesetzt werden, wie sie die Lern- und Lehrpraxis verändern und welche Konsequenzen das für die Handlungspraxis der Lernenden und Lehrenden hat.
Die Ergebnisse zeigen u.a., dass sich der unterrichtliche Einsatz der digitalen Medien in der Lerngruppe im Vergleich zur restlichen Schülerschaft erheblich intensiviert hat. Der Einsatz des Tablet PCs eröffnet den Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten der Rationalisierung und Flexibilisierung ihrer Lernpraxen. Die Bedeutung einzelner Medienpraxen bemisst sich für die Schülerinnen und Schüler dabei primär anhand deren Nützlichkeit und den damit einhergehenden Rationalisierungseffekten, die in dem Versuch nur von einer kleinen Gruppe primär männlicher Schülerinnen und Schüler realisiert wurden. In dem Projekt wurden auch Widersprüche zwischen der Medienintegration und bestimmten Rahmenbedingungen bzw. Vorgaben des Unterrichts offenbar. Als einschränkend erweisen sich vor allem Beeinträchtigungen der Medienpraxis, die auf fortwährende Medienbrüche innerhalb der Schule zurückzuführen sind. Der konsequente Einsatz des Tablet PCs würde aus Sicht der meisten Schülerinnen und Schüler eine Reorganisation der Lehr- und Lernpraxis erfordern, der Unterricht bietet aber kaum Experimentierräume dafür. Hoher Bewertungsdruck führt zudem an vielen Stellen zu einer konservativen Praxis der Schülerinnen und Schüler, die auf den etablierten Lernpraxen basiert.
Insgesamt wird damit deutlich, dass die Medienintegration eine Gemeinschaftsaufgabe mit offenem Ausgang ist, an der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte in gleichberechtigter Weise beteiligt werden müssen.
Sie können die Studie als PDF herunterladen ![]()
Gesendet von B. E. Stolpmann
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In seinem Blog verweist Hermann Hill von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer auf den Beitrag, den Daniela Berger, IT-Leiterin der Stadt Oldenburg, und ich kürzlich in Ausgabe 1/2009 der Schweizer Zeitschrift “eGov Präsenz” veröffentlicht haben. Darin haben wir unter anderem auf die Ergebnisse eines Workshops der Virtuellen Region Nordwest hingewiesen, bei dem sich gezeigt hat, dass Themen zum Wissensmanagement gegewärtig wieder steigende Bedeutung zugewiesen wird - auch wenn dieser Begriff angesichts mancher Enttäuschungen aus der Vergangenheit heute vielleicht nicht mehr so gerne gewählt wird. Hermann Hill geht in seinem Beitrag davon aus, dass die Erfahrungen mit dem einheitlichen Behördenruf D115, neue Formen der Bürgerpartizipation und auch die Bewältigung des demografischen Wandels für weitere Impulse in diese Richtung sorgen werden.
Nun gehören die Oldenburger Kolleginnen und Kollegen ja zu den ersten Kommunen, die sich dem D115-Verbund angeschlossen haben. Möglich war dies nur, weil sie bereits 2006 mit den Vorarbeiten für ihr Call Center, dort “ServiceCenter” genannt, begonnen haben. Seit Februar 2007 lief die Umsetzungsphase, im Sommer 2008 war das ServiceCenter schließlich einsatzbereit und konnte sich kurze Zeit später in den gerade startenden D115-Verbund integrieren. Die Oldenburger Erfahrungen sind äußerst lehrreich und zeigen einmal mehr, dass der Aufbau eines zentralen Call Centers in der Verwaltung mit einem tief greifenden Kulturwandel einhergehen muss. Wohltuend realistisch hat vor einiger Zeit der Leiter des Oldenburger ServiceCenters, Ingo Tulodetzki, bei einer Präsentation für interessierte Mitglieder der Virtuellen Region Nordwest darauf hingewiesen, dass nicht der Rummel um D115, sondern der Wunsch nach besserem Service und nach Prozessoptimierung Auslöser für die Einrichtung eines solchen ServiceCenters sein sollte. Werden die damit verbundenen Herausforderungen bewältigt, könne sich eine Kommune auch an D115 beteiligen.
Diese Sichtweise kann gar nicht oft und deutlich genug betont werden. Denn in der Praxis ist nur allzu oft die Tendenz anzutreffen, sich an publicityträchtigen Großprojekten zu beteiligen und die mühsame Veränderungsarbeit vor Ort zu vernachlässigen. Das gilt auch und gerade für das Thema Wissensmanagement.
Gesendet von M. Wind
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