Die EU-Dienstleistungsrichtlinie hatte auch ihr Gutes: Sie hat vielerorts das Bewusstsein für die Gestaltung von Geschäftsprozessen geschärft.
So auch bei vielen Mitgliedern der Virtuellen Region Nordwest. Bereits Ende 2009 wurde hier der Arbeitskreis “Interkommunale Prozessmodelle” ins Leben gerufen, in dem sich interessierte Kommunen und IT-Dienstleister mit der Dokumentation, Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen beschäftigen. Das ifib gehörte zu den Mitinitiatoren dieses Arbeitskreises und begleitet mit fachlicher und methodischer Unterstützung die Diskussionen. Unter anderem wurden auf zwei vom ifib durchgeführten Workshops die Grundlagen von BPMN vermittelt. Weiterhin hat sich der Arbeitskreis intensiv mit den Planungen zur Deutschen Prozessbibliothek und mit der Prozessbibliothek der KGSt auseinander gesetzt.
Nun ist der nächste Schritt gemacht worden: In den nächsten 18 Monaten werden die Landkreise Cuxhaven, Diepholz, Osterholz und Verden, die Gemeinde Ganderkesee, die Stadt Achim und der Senator für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen gemeinsam an der Optimierung ausgewählter Prozesse arbeiten. Das Projekt wird von der ifib consult GmbH, der Anfang 2011 gegründeten Tochtergesellschaft des ifib, organisatorisch und fachlich betreut.
Mit dieser interkommunalen Zusammenarbeit werden mehrere Ziele verfolgt: Natürlich steht die Verbesserung von ausgewählten Prozessabläufen im Vordergrund. Darüber hinaus wollen die mitwirkenden Kommunen gemeinsam das erforderliche methodische Know-how aufbauen und sich in diesem Zuge auch über die Gestaltung von Prozessmodellen verständigen und Empfehlungen in einer Art “Styleguide” dokumentieren und für die Weiterarbeit verfügbar machen.
Für die Dokumentation der Geschäftsprozesse kommt das Modellierungswerkzeug ViFlow der Fa. ViCon aus Hannover zum Einsatz. ViFlow ist ein datenbankgestütztes Werkzeug, das auf MS Visio aufsetzt. Es bietet im Rahmen eines attraktiven Lizenzmodells vielfältige Möglichkeiten zur Gestaltung von Prozessmodellen und kann für unterschiedliche Notationen (Swimlanes, BPMN, FaMOS etc.) genutzt werden. Soeben wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einer eintägigen Schulung mit den Funktionalitäten der Software vertraut gemacht, so dass nun mit der Erstellung der ersten Prozessmodelle begonnen werden kann.
Gesendet von M. Wind
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Die Deutsche UNESCO-Kommission hat das vom Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib) geleitete Forschungsprojekt e2democracy als Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. e2democracy hat die Klimaschutzinitiativen Bremen und Bremerhaven kann mehr Klimaschutz! sowie das Klimaversprechen von Wennigsen und dem Calenberger Land ins Leben gerufen. Die lokalen Initiativen werden zusammen mit den Klimaschutzagenturen vor Ort - der Energiekonsens in Bremen und Bremerhaven und der Klimaschutzagentur der Region Hannover in Wennigsen / Calenberger Land - durchgeführt und mit Mitteln der European Science Foundation sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom ifib wissenschaftlich begleitet. Die Auszeichnung erhalten Initiativen, die das Anliegen dieser weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen vorbildlich umsetzen: Sie vermitteln Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln.
Eine Jury aus Experten hat im August über die Auszeichnung der Bildungsprojekte entschieden. Voraussetzung ist die Ausrichtung der Arbeit an den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. So müssen Wissen und Kompetenzen aus den drei Nachhaltigkeits-Dimensionen Wirtschaft, Soziales und Umwelt vermittelt werden. Außerdem ist wichtig: Die Projekte haben einen innovativen Charakter, wirken in die Breite und bemühen sich um die Zusammenarbeit mit anderen Projekten.
Das Votum der Jury würdigt das e2democracy - Projekt, weil es verständlich vermittelt, wie Menschen nachhaltig handeln, so Prof. Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees und der Jury der UN-Dekade in Deutschland. e2democracy zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsfähige Bildung aussehen kann.
Im Zentrum von e2democracy steht die regelmäßige Kontrolle des individuellen Verbrauchs- und Konsumverhaltens von Bürgerinnen und Bürgern im Hinblick auf die eigene Klimabilanz (CO2-Bilanz). Die täglichen Aktivitäten stehen dabei im Vordergrund, also welche Wege werden mit welchen Verkehrsmitteln zurückgelegt, wie viel Strom wird verbraucht, welche Heizenergie wird eingesetzt, wird beim Kauf von Lebensmitteln darauf geachtet, dass sie aus der Region stammen und gerade Saison haben, etc. Aus diesen Angaben wird alle 2 Monate eine CO2- und Energiebilanz für die Teilnehmenden erstellt und diesen zurückgespiegelt. Über die Kenntnis der eigenen Klimabilanz über den Zeitverlauf und im Vergleich ihrer Werte mit denen der anderen Teilnehmenden wird eine Sensibilisierung für die Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf das Klima erreicht. Newsletter mit wertvollen Tipps zur Verbesserung der eigenen Klimabilanz, Informationsveranstaltungen - auch zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch - sowie Beratungsangebote rund ums Thema Klimaschutz runden das Angebot für Teilnehmende ab.
UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005-2014)
Nachhaltige Entwicklung funktioniert nur, wenn sich jeder für eine menschenwürdige Gesellschaft einsetzt. Die notwendigen Fähigkeiten dazu vermittelt Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Wo kaufe ich Kleidung, ohne Ausbeutung in Asien oder Afrika zu unterstützen? Wie fördern wir wirtschaftlichen Fortschritt, ohne die Umwelt zu zerstören? Das sind nur zwei der Fragen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung beantwortet. Mit der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005-2014) haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, diese Art des Lernens in ihren Bildungssystemen zu verankern. Auf Grundlage eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission die deutschen Aktivitäten zur UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung”. Sie hat ein Nationalkomitee berufen und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Dekade-Koordinierungsstelle eingerichtet.
Die Urkunde an das e2democracy - Projekt wird im Rahmen der jährlich stattfindenden Aktionstage der UN-Dekade am 26. September 2011 in Kiel an das ifib übergeben.
Weitere Informationen unter
http://www.e2democracy.eu
http://www.bne-portal.de/dekade-projekte
Kontakt:
Ralf Cimander
Institut für Informationsmanagement Bremen
Tel.: 0421/218-56 587
E-Mail: info@e2democracy.eu

Gesendet von R. Cimander
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Etwas pathetisch, aber nicht falsch, hat “Der Freitag” ein Interview zu Open Government Data betitelt. Durch die Überschrift wird nicht ganz klar, wer an Bremen denkt, wenn er an Freiheit denkt: der Interviewer oder der Interviewte. Richtig ist, dass der im ursprünglichen Sinne liberale Stadtstaat das fortschrittlichste Informationszugangsgesetz hat, das seinen Bürgerinnen und Bürgern einen freien, d.h. von Begründungen unabhängigen Zugang zu amtlichen Informationen und Dokumenten einräumt. Dieses Recht soll im Zuge der aktuellen Open-Data-Diskussion auch auf weiterverarbeitbare Daten ausgeweitet werden. Dies ist auch dem Bund zu empfehlen.
In dem Interview geht es aber auch noch um eine andere Freiheit, nämlich das informationelle Selbstbestimmungsrecht und einen grundsätzlichen Zielkonflikt zwischen der Zweckbindung bei der Erhebung personenbezogener Daten und der Forderung nach beliebiger Weiterverarbeitung von Rohdaten, die häufiger personenbeziehbar sind als viele denken. In diesem Zusammenhang empfehle ich das Gutachten des ULD “Datenschutz und Geoinformationen”.
Zum Interview geht es hier.
Gesendet von Herbert Kubicek
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Der schulische Einsatz der digitalen Medien findet bisher zumindest an den weiterführenden Schulen in Deutschland vor allem an stationären Computern im Computerraum statt. Viele Lehrkräfte sehen diesen begrenzten Zugang als Einschränkung in Hinblick auf Flexibilität und Spontanität für den Medieneinsatz im Fachunterricht. Die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit mobilen Endgeräten (1:1 Computing) könnte diese Probleme lösen. International (vor allem in den USA und in Großbritannien) lassen sich gute Beispiele für eine flächendeckende Ausstattung der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte mit mobilen Endgeräten (z.B. Laptops, Tablet?PCs, Netbooks) finden. In Deutschland bleiben entsprechende Lösungen meist auf Modellversuche mit so genannten Laptop?Klassen beschränkt, deren Anteil noch weit hinter stationären Lösungen zurück bleibt. Die Ausstattung ganzer Schulen geschweige denn aller Schulen einer Kommune scheiterte bislang u.a. an der Frage der Finanzierung. Gerade für Laptops gilt zudem, dass sie häufig zu schwer und zu sperrig sind, um sie in der Schule immer dabei zu haben. Außerdem wirkt sich offensichtlich auch die hohe Relevanz der materiellen Anteile der Handlungspraxis (Lehrkräfte, aber auch die Schülerinnen und Schüler lieben Papier) einschränkend auf die Aneignung mobiler Endgeräte durch Lernende und Lehrende aus. Medienbrüche tun ein weiteres, um deren unterrichtliche Nutzung einzuschränken.
Aktuell boomt jedoch mit den sogenannten Tab(let)s eine neue Geräteklasse, die sich auch in der Schule zunehmender Beliebtheit erfreut. Diese unterscheiden sich von herkömmlichen mobilen Endgeräten dadurch, dass sie ausschließlich über ein berührungssensitives Display verfügen und keine physische Tastatur mehr besitzen. In der Regel sind sie mit stromeffizienten Prozessoren aus dem Smartphone?Bereich ausgerüstet und werden mit einem entsprechend schlanken Betriebssystem (z.B. Googles Android oder Apples iOS) betrieben. Grundlegende Eigenschaften dieser Medien wie vergleichsweise geringes Gewicht und Größe, relativ günstige Anschaffungskosten, lange Akkulaufzeiten und natürlichere Eingabemöglichkeiten per Multitouch-Fingerzeit sowie der Verfügbarkeit einer Vielzahl kostengünstiger Softwareprodukte (sogenannte Apps) und verschiedener internetbasierter Dienste scheinen sie für den unterrichtlichen Einsatz zu empfehlen.
Verschiedene Indikatoren deuten also darauf hin, dass jetzt die nächste Technikwelle auf die Schulen zurollt, die geplant, implementiert sowie gesteuert und evaluiert werden muss, um die damit einhergehenden Versprechungen für die Verbesserung von Lern? und Lehrprozessen auch nur ansatzweise zu realisieren. Dafür sind zum einen verschiedene technisch-organisatorische Herausforderungen zu bewältigen: Geräte, die eigentlich für die private Multimedianutzung konzipiert wurden, müssen in die IT?Infrastrukturen der Schulen integriert werden. Das betrifft u.a. Lösungen für die Installation und Aktualisierung der Apps genauso wie das Zusammenspiel mit Interaktiven Whiteboards (IWBs), Lernmanagementsystemen (LMS) und Systemen für die Mediendistribution. Hier birgt vor allem die eingeschränkte Schnittstellenausstattung der Tablets Probleme. Dies führt zwangsläufig zu einer Verlagerung bzw. den Austausch von (Schüler?)Daten im bzw. über das Internet. Eine rechtliche Bewertung in Hinblick auf den Datenschutz hierzu steht noch aus. Dazu kommen zum anderen die (berufs?)biografischen Orientierungen der Lehrkräfte in Verbindung mit ihren Kompetenzen, die zentralen Anteil daran haben, wie Medien in der Schule eingesetzt werden. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten sind nur eingeschränkt an technische Voraussetzungen gebunden.
Letztlich stellt sich auch die Frage der Finanzierung: Eine vollständige 1:1-Ausstattung über die Kommunen scheint auch in diesem Fall illusorisch. Auf der anderen Seite wächst die private Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit solchen Geräten kontinuierlich und es stellt sich die Frage, ob die Geräte bei einem weiteren Preisverfall irgendwann so selbstverständlich werden, wie der Taschenrechner oder das Handy. In diesem Szenario entfällt für die Schulträger dann zwar die Investition in die Gerätehardware. Sie sind auf der anderen Seite aber gefordert, die notwendigen Infrastrukturen und Schnittstellen für die Integration der Tablets in die Medienwelt der Schulen bereitzustellen bzw. die vorhandenen auszubauen und zu betreiben.
Gesendet von B. E. Stolpmann
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“Netz”-Demokratie? Wie bei vielen aus zwei Substantiven zusammengesetzten Ausdrücken sind bei der Kombination “Netz”-Demokratie zwei Interpretationen möglich. Zum einen kann es um die Demokratie im “Netz” gehen, zum anderen um die Demokratie durch das “Netz”. Kaum missverständlich dürfte sein, dass mit “Netz” das Internet gemeint ist, was daran aber genau, ist keineswegs eindeutig, und bei den beiden genannten Interpretationen tendenziell unterschiedlich.
Betrachten wir kurz den Aspekt der Demokratie im Netz. Anders als Rundfunk- und Fernsehsender oder Verlage und Druckereien gehört das Internet nicht einem Eigentümer und wurde auch nicht aufgrund eines Gesetzes errichtet. Im Kern ist es eine Menge technischer Standards für die Datenübertragung zwischen Computern unterschiedlicher Hersteller (vor allem TCP/IP, das Internet-Transportprotokoll), und eine Systematik für die Zuweisung von Adressen der beteiligten Rechner (IP-Adressen). Hinzugekommen ist die weltweite Vergabe und Verwaltung von Domain-Namen. Wie andere Standardisierungsgremien erfolgt die Organisation dieser Standardisierungsaufgaben in internationalen Gremien (Ausschüssen, Arbeitsgruppen), die teilweise staatlich anerkannt werden wie z.B. ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) oder das W3-Konsortium, das technische Standards für das World Wide Web definiert, öffentlich zur Diskussion stellt und letztlich verabschiedet. Diese Organisation des Mediums Internet kann man demokratisch nennen, allerdings mit einem starken Anteil an Expertokratie.
Davon zu unterscheiden ist die Produktion und Auswahl der Inhalte. Es gibt keinen Verleger oder Chefredakteur. Grundsätzlich kann jeder zugleich Autor und Rezipient bzw. Sender und Empfänger sein. Selbstverständlich finden etablierte Institutionen eine größere Aufmerksamkeit als einzelne Individuen. Aber die Chancen werden immer wieder neu gemischt. Blogger zum Beispiel erreichen teilweise höhere Nutzungszahlen und damit Reichweiten als Online-Angebote von Tageszeitungen. Auch dies kann man Demokratie im Netz nennen, allerdings mit einem gewissen Anteil Anarchie.
Auf diesen Aspekt der Demokratie im Netz möchte ich im Folgenden nur noch indirekt eingehen. Im Vordergrund soll vielmehr die Frage stehen, ob und wie sich politische Beteiligung durch das Internet gewandelt hat. Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, weil der Bereich der politischen Beteiligung insgesamt sehr vielfältig ist und weil dort, wo ein Wandel zu beobachten ist, dieser nicht einzig und allein auf die Nutzung des Internet zurückzuführen ist.
Im Beitrag “Zum Wandel politischer Beteiligung durch das Internet” werden acht Formen politische Beteiligung vorgestellt und kommentiert.
Gesendet von Herbert Kubicek
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