Mit welchem Argument sollen Nutzer dazu motiviert werden, einen weiteren Webbrowser zu installieren? Lockt verbessertes Tabbed Browsing zum Umstieg auf Google Chrome? Oder etwa die detaillierte Speicherung des Nutzungsverlaufs bzw. lückenlose Erfassung von Nutzerdaten?
Ich habe heute in der Frühe schon einen kurzen Blick auf die Google Chrome Beta für Windows geworfen (Chrome Version 0.2.149.27, Build 1583, Mozilla/5.0, AppleWebKit/525.13). Die Beta-Version kann unter http://www.google.com/chrome kostenlos für Windows XP heruntergeladen werden. Die Software fühlt sich für mich zunächst an, wie damals die Mozilla-Vorversionen: flacher Designentwurf und schnelle Seitenaufrufe.
Der neue Browser bringt allerdings bisher keine brauchbare Komponente zur Darstellung von RSS/Atom-Feeds mit sich.
Beim schnellen Durchprobieren lassen sich keine sensationellen Neuerungen ausmachen. Nun, die Verwendung von Tabulatoren (tabs) zur Sortierung der aufgerufenen Seiten wird jetzt auch jedem, der bisher nichts davon wissen wollte aufgedrängt. Zudem sollen diese Fenster jetzt soweit voneinander unabhängig sein, dass sich die Anwendung nicht gänzlich verabschiedet, wenn in einem tab ein Problem auftritt.
Als Standard für ein neues tab-Fenster ist voreingestellt, dass immer eine Auswahl der Seiten angeboten wird, die bisher am häufigsten verwendet wurden. Damit offenbart man demjenigen, der nur man kurz auf den Bildschirm schaut sofort seine Surfgewohnheiten. Auch sonst ist Google ja eher dafür bekannt, möglichst viele Informationen mit Personenbezug zu sammeln als dafür aus Datenschutzgründen die Speicherung von Daten zu minimieren. Mit der Verbreitung des Google-Browsers soll wohl auch die Nutzung der Google-Online-Dienste (etwa Mail, iGoogle, News, YouTube, Kalender, Text & Tabellen) gefördert werden. Ein angemeldeter Nutzer dieser Dienste macht sich zunehmend zum gläsernen Kunden. Kritisch zum Thema Datenschutz bei Google äußert sich etwa auch Robert Basic, der dazu interessante Abschnitte aus der englischsprachigen Privacy-Erklärung hervorhebt.
Die Datenschutz-Information zu Chrome unter http://www.google.com/chrome/intl//privacy.html war heute morgen noch nicht verfügbar (Fehler 404).
Zudem behält sich das Google Recht vor, über einen Service verfügbare Inhalte sowohl vollständig als auch teilweise im Vorfeld zu analysieren, zu überprüfen, zu kennzeichnen, zu filtern, abzuändern, abzulehnen oder zu entfernen.
Der Vollständigkeit halber sollte noch angemerkt werden, dass es für Chrome auch einen anonymen Nutzungsmodus gibt (Inkognito-Fenster) und dass der Browserverlauf sich vollständig löschen lässt.
Mein Fazit des Schnelltests: So einen Browser brauche ich nicht. Wenn man schon einen weiteren Browser installieren will, dann bitte Mozilla Firefox.
(Design Benutzeroberfläche: Google)
Aktualisierung (12.15 Uhr): Die deutschsprachigen Anmerkungen zum Datenschutz sind jetzt unter http://www.google.de/chrome/intl/de/privacy.html zu finden. Jede Kopie des Browsers erhält ein eindeutige Anwendungsnummer, die zumindest bei Update-Prüfungen und Ausfallberichten an Google übermittelt wird.
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