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Blumen im Heute mit Wurzeln im Widerstand

Geschichte und Gedanken zum Internationalen Frauentag

Am 8. März fand der Internationale Frauentag statt. Ein Tag, der heute häufig mit Blumen verbunden wird, dessen Wurzeln jedoch tief in politischen Kämpfen, sozialen Bewegungen und strukturellen Auseinandersetzungen liegen.

Die Geschichte dieses Tages beginnt dabei nicht mit einem Feiertag, sondern mit Forderungen. Forderungen nach politischer Teilhabe, nach Arbeitsrechten, nach Bildungschancen und nach gesellschaftlicher Sichtbarkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts organisierten sich Frauen zunehmend in Arbeiterinnenbewegungen und sozialistischen Frauenverbänden, um auf ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. 1908 demonstrierten in New York tausende Textilarbeiterinnen für bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Arbeitszeiten und das Frauenwahlrecht. Zwei Jahre später griff die deutsche Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin diese Impulse auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen auf. Sie schlug einen international koordinierten Aktionstag für Frauenrechte vor. Die Idee wurde einstimmig angenommen. Bereits 1911 wurde der Internationale Frauentag erstmals in mehreren europäischen Ländern begangen, unter anderem in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz. Damals fand er noch am 19. März statt. Der heute bekannte Termin, der 8. März, setzte sich einige Jahre später durch. Ein wichtiger Bezugspunkt war der Streik von Arbeiterinnen in Petrograd im Jahr 1917, bei dem Frauen unter dem Motto „Brot und Frieden“ gegen Krieg, Hunger und politische Unterdrückung protestierten. Die Proteste entwickelten sich zu einem zentralen Auslöser der Februarrevolution in Russland. Seit 1975 wird der Internationale Frauentag offiziell von den Vereinten Nationen begangen.

In Deutschland wurde das Frauenwahlrecht bereits 1918 eingeführt. Doch Gleichstellung war und ist damit keineswegs erreicht. In vielen Ländern ist der Weg bis heute deutlich länger. Die Geschichte dieses Tages erzählt daher von Beharrlichkeit, von strukturellen Widerständen, von politischen Kämpfen und von der Einsicht, dass gesellschaftlicher Fortschritt nie selbstverständlich ist. Siehe auch: 8. März: Internationaler Frauentag | Hintergrund aktuell | bpb.de

Bereits seit vielen Jahren hat unser Institut ein Gleichstellungsgremium installiert. In der derzeitigen Wahlperiode bilden wir, Lea Telle und Doreen Büntemeyer unser Frauen*beauftragtenkollektiv. Wir verstehen Gleichstellung nicht als symbolische Aufgabe, sondern als strukturellen Gestaltungsauftrag. Unser Ziel ist eine Wissenschafts- und Arbeitskultur, in der Chancengleichheit selbstverständlich ist und zwar für alle gleichermaßen.

Dazu gehören konkret:
• faire Karrierebedingungen und transparente Verfahren
• Sensibilisierung für Bias, strukturelle Benachteiligung & diskriminierungssensible Kommunikation
• Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle 

In unserer Überzeugung ist Gleichstellung kein Gegen- sondern ein kontinuierliches Miteinander und der 8. März erinnert für uns nicht nur an Geschichte, sondern auch an globale Verantwortung. An Verantwortung gegenüber Frauen und Mädchen, die in Kriegs- und Krisengebieten sexualisierte Gewalt als systematische Waffe erleben. Gegenüber jenen, denen der Zugang zu Bildung verwehrt oder bewusst eingeschränkt wird. Gegenüber Wissenschaftlerinnen, Journalistinnen und Aktivistinnen, die unter Repression arbeiten oder ihre Stimme nicht frei erheben können. Gleicher Zugang zu Bildung ist weltweit noch immer keine Selbstverständlichkeit. Ökonomische Unabhängigkeit ebenso wenig. Politische Mitbestimmung bleibt in vielen Regionen eingeschränkt oder riskant.

Gerade weil wir auf historisch erkämpfte Rechte aufbauen können, entsteht daraus eine besondere Verpflichtung. Und zwar, Gleichstellung nicht als nationale Errungenschaft zu betrachten, sondern als globales Anliegen. Solidarität bedeutet, Perspektiven mitzudenken, Stimmen sichtbar zu machen und internationale Entwicklungen nicht als ferne Probleme zu betrachten.

 



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