Sie sind hier:  
  1. ifib-research
  2. Blog
  3. Detail

Neues aus dem ZDF Fernsehrat (16): Der DOPS ist noch nicht gelutscht

Seit Juli 2020 darf ich den Bereich "Wissenschaft und Forschung" im ZDF Fernsehrat vertreten. Ganz im Sinne von "Open Science" werde ich im ifib-Blog über die aus meiner Sicht wichtigen und berichtenswerten Themen schreiben. Dies bezieht sich sowohl auf die Plenumssitzungen als auch meine Mitwirkung im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Digitalisierung.

Die Sitzung am 18.7.25 hat eine besondere Bedeutung durch die Anwesenheit der Verwaltungsratsvorsitzenden, Malu Dreyer, bekommen. Sie hat beim TOP5 das wissenschaftliche Gutachten zum "Digital Public Value" des ZDF sehr gelobt und in ihren eigenen Worten zusammengefasst. Das Gutachten wurde vom Verwaltungsrat des ZDF in Auftrag gegeben und sollte basierend auf medien- und verfassungsrechtlichen sowie medienökonomischen Forschungsarbeiten die künftige Ausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darlegen. Im Kern geht es darum, wie sich in einer komplexen digitalen Gesellschaft ein gemeinwohl-orientierter digitaler Raum herstellen lässt. Das Gutachten bezeichnet diesen als Digital Open Public Space (DOPS). Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – und insbesondere auch das hierfür auf der nationalen Ebene besonders gut aufgestellte ZDF – soll demnach als strategie-, kooperations- und investitionsfähiger „Ermöglicher“ und gemeinwohlorientierter institutioneller Mitgestalter die Genese, Entwicklung und Funktionalität eines „gegengewichtsrelevanten“ Common-Ground-Netzwerks unterstützen. Das Gutachten soll als Anstoß für die weitere Diskussion dienen. Dafür werden kurz-, mittel- und langfristige Perspektiven formuliert, von den das ZDF mit dem Public Spaces Incubator bereits erste Umsetzungen durchgeführt hat. Aber der Weg zu einer gemeinwohl-orientierten Plattform aus öffentlichen und privaten Anbietern als Alternative zu den US-amerikanischen BigTech-Unternehmen ist noch lang. Der Intendant formulierte es in seiner Stellungnahme daher sehr pointiert: "Der DOPS ist noch nicht gelutscht".

Die Berichterstattung über Europa wurde sehr positiv und zugleich sehr ausführlich diskutiert.

Ausgesprochen spannend und im Kontext des Gutachten zu DOPS besonders relevant war die Diskussion um die automatisierten Empfehlungssysteme. Die Vorlage macht die Arbeit im ZDF transparent und zeigt, wie sehr sich mit den Möglichkeiten und Risiken des Einsatzes KI-basierter Systeme auseinandergesetzt wird. Auf einer eigenen Webseite (https://algorithmen.zdf.de) werden die verwendeten Metriken, Kennzahlen, Anwendungsfälle etc. verständlich beschrieben. Insbesondere die Methode zur Messung von Serendipität sticht hervor, weil sich das ZDF hierdurch von den typischen kommerziell orientierten Plattformen ("more of the same") abhebt. Das ist ein hervorragendes Beispiel für "transparente KI".

Zusätzlich wurden die Telemedienangebote bei ZDF, 3sat und phoenix im Kontext der Streaming-Angebote bewertet.

Diesmal waren außerordentlich viele (19) Programmbeschwerden auf der Tagesordnung. Sie wurden allesamt abgelehnt, es gab aber auch deutliche Hinweise für die Redaktionen in Zukunft noch sorgfältiger in der Quellenarbeit und der Transparenz bei der Auswahl von Expert:innen zu sein.

Die nächste Sitzung des Fernsehrates findet am 19.9.2025 wieder in Mainz statt.



Institutsleitung  Medienbildung, Medien- und IT-Kompetenz  Partizipation und Teilhabe  Nachrichten  Veranstaltungen  Adressaten  ODIkS  Barrierefreiheit und Usability  Datifizierung  Digitalisierung