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Neues aus dem ZDF Fernsehrat (19): Wiederwahl des Intendanten

Seit Juli 2020 darf ich den Bereich "Wissenschaft und Forschung" im ZDF Fernsehrat vertreten. Ganz im Sinne von "Open Science" werde ich im ifib-Blog über die aus meiner Sicht wichtigen und berichtenswerten Themen schreiben. Dies bezieht sich sowohl auf die Plenumssitzungen als auch meine Mitwirkung im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Digitalisierung.

Die Sitzung am 13.3.26 hatte als Schwerpunkt die (Wieder)wahl des Intendanten. Der bisherige Intendant und einzige übrig gebliebene Kandidat, Dr. Norbert Himmler, stellt seine Bewerbungsrede für eine weitere Amtszeit unter folgende sechs Überschriften der strategischen Ausrichtung:

  1. Akzeptanz in der Gesellschaft

  2. Publizistischer Mehrwert

  3. Zukunftsweisende Distributionsstrategie

  4. Partnerschaften stärken

  5. Attraktiver Arbeitgeber

  6. Modernes Medienunternehmen

In der Aussprache stellt er sich verschiedenen, wohlwollenden Fragen aus dem Fernsehrat. Gewählt wurde der Intendant im ersten Wahlgang mit einer klaren Mehrheit.

In seinem Tätigkeitsbericht geht der neu gewählte Intendant auch er auf das Körbe-Modell ein, wie es im ReformStV eingefordert wird. Das bedeutet, dass in Zukunft ARD und ZDF gemeinsame Programme anbieten und diese zunehmend digital zu distribuieren. Das bedeutet auch, dass Angebote wegfallen werden. Die linearen Kanäle ARD alpha, tagesschau24 und ONE werden zum Jahresende 2026 abgeschaltet. Erhalten, aber neu zugeschnitten, bleiben als gemeinsame Angebote - jeweils mit dem Zusatz „von ARD und ZDF“ - der Parlamentskanal phoenix (https://www.phoenix.de/), das sehr erfolgreiche Entertainment-Angebot neo (https://www.zdf.de/zdfneo), sowie der Dokumentations-Sender info (https://www.zdf.de/zdfinfo). Zudem werden ARTE, 3sat, funk und KiKA gemeinsam mit den Partnern fortgeführt.

Im weiteren Verlauf wurde nicht nur sehr ausführlich über die Wirtschafts- und Finanzberichterstattung in den ZDF-Angeboten (immer besser), sondern auch über die Sportberichterstattung diskutiert. Alle Beiträge betonten die herausragende Bedeutung des Sport (im Sinne des vielzitierten Lagerfeuer-Charakters) und der entsprechend hohe Stellenwert in der Live-Berichterstattung im linearen Programm. Dazu ergänzt der Sportchef des ZDF wie wichtig zu sukzessive Erweiterung durch zahlreiche Live-Streams werden wird, da sich das Sehverhalten in Zukunft weiter verändern würde.

Ein sperriges, aber wichtiges Thema sind die Verfahren zur Genehmigung der Telemedienangebote. Dahinter steckt die zentrale Frage, inwieweit Online-Angebote des ZDF und der Partnerprogramme vom Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks umfasst sind. Hierfür sieht der Gesetzgeber in § 30a MStV einen sogenannten "Drei-Stufen-Test" vor, dass alle Telemedienangebote in drei Stufen durch externe Expert*innen überprüft werden:

  1. Stufe: inwieweit es den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht

  2. Stufe: in welchem Umfang es in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beiträgt

  3. Stufe: welcher finanzielle Aufwand hierfür erforderlich ist.

Hierzu liegen Telemedienänderungskonzepte vom ZDF, 3sat und phoenix vor. Der Fernsehrat hat den Prozess mit Beschluss eingeleitet. Ergebnisse werden im Herbst erwartet, da es sich um ein sehr umfangreiches Prüfverfahren handelt.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der vorherigen Diskussion in den Ausschüssen wurden Stand und Entwicklung der Angebote von ZDFinfo, phoenix, KiKA, 3sat sowie ARTE leider nur sehr kurz angesprochen. Besonders hervorzuheben sind die drei Ko-Produktionen bei ARTE, die für einen Oscar nominiert wurden. Hierzu gab es großen Applaus.

Abschließend waren sehr viele Programmbeschwerden auf der Tagesordnung. Die Mehrheit bildete erneut die Auseinandersetzung mit Beiträge im ZDF Magazin Royale aus dem letzten Jahr. Sie wurden allesamt abgelehnt. Weitere Beschwerden sind noch in der Pipeline und der Intendant hat in weiteren Fällen Fehler eingeräumt und diese korrigiert.

Die nächste Sitzung des Fernsehrates findet am 19.6.2026 wieder in Mainz statt.



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