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Neues aus dem ZDF Fernsehrat (20): Von Sanktionslisten und Empfehlungssystemen

Seit Juli 2020 darf ich den Bereich "Wissenschaft und Forschung" im ZDF Fernsehrat vertreten. Ganz im Sinne von "Open Science" werde ich im ifib-Blog über die aus meiner Sicht wichtigen und berichtenswerten Themen schreiben. Dies bezieht sich sowohl auf die Plenumssitzungen als auch meine Mitwirkung im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Digitalisierung.

Die Sitzung am 19.6.26 startete mit einer umfassenden Aussprache über aktuelle Ereignisse. Hintergrund ist eigentlich ein Bericht in der SZ aus dem März 2026, nach dem das ZDF aus freien Stücken die Sanktionslisten der US-amerikanischen Regierung übernommen habe. Hieraus wurde der Vorwurf der Selbstzensur generiert und damit eine Gefährdung der Pressefreiheit postuliert. Daraufhin lancierte Campact kurz vor der Fernsehratssitzung einen Appell an den ZDF-Intendanten, der von mehr als 200.00 Menschen unterzeichnet wurde. Die rechtliche Bewertung ist hinreichend komplex, was auch der Intendant zum Auftakt der Sitzung hervorhob. Es geht um eine neu eingeführte Vertragsanlage in der Mitwirkende an ZDF-Produktionen erklären sollten, nicht mit Personen oder Organisationen zusammenzuarbeiten, die auf internationalen Sanktionslisten stehen. Dazu zählen EU-Listen, aber auch die Sanktionslisten des US-amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC). Sie sind in Verruf geraten, weil sie von der US.Regierung als Machtinstrument genutzt wird und bspw. Richter*innen des internationalen Strafgerichtshofs sowie mehrere Menschenrechtsorganisationen betrifft. Der Intendant machte in seiner Stellungnahme klar: "Die Regelung bezieht sich auf geschäftliche Beziehungen, nicht auf journalistische Formate. Die journalistische Berichterstattung, auch das Führen von Interviews, ist nicht von den Sanktionen betroffen." Dies ist ein zentrale Botschaft, die insbesondere die Sorge um einen möglichen Eingriff in die Pressefreiheit entschärft. In der Diskussion wurde dieser Punkt mehrfach positiv hervorgehoben und auch die eindeutige Aussage des Intendanten gewürdigt.

Damit war dann auch Zeit zur Wiederwahl des Präsidiums mit Gerda Hasselfeld als Vorsitzender an der Spitze, die ohne Zwischentöne ablief.

Inhaltlich spannend war erneut die Berichterstattung über die Weiterentwicklung der Empfehlungssysteme. Seit März 2025 setzt das ZDF im Streaming-Portal auf Personalisierung, um Nutzenden schneller relevante Inhalte zu bieten, die Orientierung zu verbessern und die Nutzung zu vertiefen. Die Weiterentwicklung des Systems kommt den steigenden Erwartungen der Nutzenden entgegen, was sich auch in Zahlen niederschlägt: etwa 50% der Klicks und etwas mehr Anteile im Sehvolumen (53%) gehen von den personalisierten Empfehlungen auf der Startseite aus. Auch der „Green Button“ zur direkten Weiterleitung aus dem linearen Programm in das Streaming Portal ist eine Personalisierung, die sehr gut angenommen wird. Dieses Angebot hat zum Ziel, die Inhalte für Nutzenden einfacher auffindbar zu machen und auch die Vielfalt zu unterstützen. Besonders hervorzuheben ist die Fokussierung auf Transparenz der Algorithmen. Auf algorithmen.zdf.de können sich alle darüber informieren, nach welchen Kriterien, mit welchen Kennzahlen und algorithmischen Verfahren die Inhalte ausgewählt werden. Diese Transparenz ist einmalig bei den Anbietern von Bewegtbildinhalten. Dabei werden nicht nur die erwartbaren Empfehlungen gegeben („gleiches zu gleichem“), sondern auch Ungewöhnliches präsentiert. Damit wird die Vielfalt des Angebots für die Nutzenden ausgelegt.

Abschließend waren diesmal nur zwei Programmbeschwerden auf der Tagesordnung. Beide bezogen sich auf Ereignisse, die bereits umfassend im Fernsehrat diskutiert wurden (KI-Nutzung im heute journal) und auf deren Basis grundsätzliche Veränderungen im internen Qualitätsmanagement erfolgt sind. So wurde die KI-Grundsätze ausgeweitet und auch Leitlinien für alle Bereiche zusätzlich zu den umfangreichen Schulungsangeboten aufgesetzt. 


Die nächste Sitzung des Fernsehrates findet am 25.9.2026 wieder in Mainz statt. 



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