Als LFB-labs-digital begann, erinnerte die Ausgangssituation an einen Raum voller offener Türen. Acht Schüler*innenlabore, jedes mit seinem eigenen Fach, seiner eigenen Tradition, seinen eigenen Menschen, seinem eigenen Rhythmus, standen bereit, um gemeinsam herauszufinden, wie ihre Herangehensweise den Erwerb digitaler Kompetenzen bei Lehrkräften unterstützen kann. Es gab kein fertiges Bild davon, wie der Weg aussehen würde, aber es gab die gemeinsame Motivation, ihn zu gehen. Den lebedingen Kern dieser Geschichte bilden die Labore selbst. Sie sind Orte, an denen Kabel und technische Geräte auf Reagenzgläser und pH-Messungen treffen, an denen Neugier zum wichtigsten Arbeitsmaterial gehört und an denen Fehler nicht beseitigt, sondern untersucht werden. Es sind Räume, in denen Zukunftsszenarien nicht nur gedacht, sondern ausprobiert werden. In solchen Räumen lässt sich Digitalisierung nicht einfach „einführen“, sondern sie muss erlebt, hinterfragt, angepasst und immer wieder neu zusammengesetzt werden.
So begann unser Teilprojekt nicht mit einer großen technischen Lösung, sondern mit der schlichten Frage: Was braucht ein Labor, damit digitale Werkzeuge Lernen wirklich unterstützen?
Die Antworten darauf waren vielfältig, komplex und haben bis zum Schluss ein wenig Mystik nicht verloren. Technik muss zuverlässig funktionieren, Abläufe müssen nachvollziehbar bleiben, Verantwortlichkeiten müssen klar sein, die Infrastruktur muss sich in den Alltag der Fortbildungsdurchführenden integrieren lassen. All das wirkte manchmal wie der Versuch, ein feingliedriges mobiles Kunstwerk so auszubalancieren, dass alle Elemente miteinander schwingen, ohne einander zu behindern. Schlussendlich rückte diese Balance besonders in den Fokus. Jedes Labor wurde Stück für Stück betrachtet, ganz so, als würde man ein Haus öffnen und sich durch seine Räume bewegen. Dort, wo Kabelkanäle endeten, wo Signale schwächer wurden, wo Geräte fehlten, wo Software glänzend funktionierte oder an Grenzen stieß, entstanden Hinweise darauf, wie eine lernförderliche digitale Infrastruktur aussehen könnte. Parallel dazu entstanden Gespräche (Synonym für leitfadengestützte Interviews ;-)), die die Geheimgänge im Haus öffneten. Mitarbeitende der Labore berichteten von ihren Routinen, ihren Umwegen, ihren gelungenen Experimenten und ihren Herausforderungen. Es waren keine idealisierten Geschichten, sondern gewachsene Erfahrungen, die anderen Standorten nun Orientierung bieten können. Good-Practice Beispiele, Schwierigkeiten und Entwicklungspotenziale wurden nicht gesammelt, um ein realistisches Fundament zu schaffen, auf dem man weiterarbeiten kann. Im Laufe der Zeit verband sich dieses technische und organisatorische Wissen mit den pädagogischen Fragen der Fortbildung: Wie erleben Lehrkräfte digitale Werkzeuge im naturwissenschaftlichen Unterricht? Was macht ihnen Mut, Neues auszuprobieren? Was schafft infrastrukturelle Herausforderungen im schulischen Alltag? In diesem Zusammenspiel lag vielleicht die tiefste Erkenntnis des Projekts, dass Infrastruktur nur dann lernförderlich ist, wenn sie sich an den Gegebenheiten orientiert, nicht umgekehrt und wenn sie nicht als statisches Gebilde, sondern als ein System, dass Support, Wartung und Pflege für eine nachhaltige Beständig- und Lernförderlichkeit braucht, betrachtet wird.
Wenn ich auf das Projekt zurückblicke, wirkt es auf mich wie eine Geschichte darüber, wie Technik, Organisation und Pädagogik zusammenwirken, bis sie eine gemeinsame Sprache finden. LFB-labs-digital hat sichtbar gemacht, wie viel Potenzial in MINT-Schüler*innenlaboren steckt, nicht nur bei Schüler*innen sondern auch Lehrer*innen sowohl Fach- als auch Digitalkompetenz zu fördern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gute digitale Infrastruktur kein Selbstläufer ist und kontinuierliche Pflege, Zuständigkeiten und verlässliche Ressourcen benötigt. Und es bleibt die Erkenntnis, dass Fortbildungen nur dann nachhaltig wirken können, wenn die strukturellen Rahmenbedingungen der Kommunen, Schulen, Labore oder auch anderer Lernorte mitgedacht und weiterentwickelt werden. Eine Aufgabe, die über die Projektlaufzeit von lernen:digital hinaus Aufmerksamkeit braucht.
Finanziert durch die Europäische Union – NextGenerationEU und gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Förderkennzeichen: 01JA23M04E