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Wie viel ,,Co'' steckt in industriellen Cobots? Eindrücke vom Besuch der all about automation Messe zu Trends und Einsatzfeldern kollaborativer Robotik

Einarmige kollaborative Roboter (Cobots) prägten das Bild der diesjährigen all about automation Fachmesse in Hamburg wie kaum eine andere Technologie.  So wurden an den Ständen verschiedene Cobot-Anwendungen von der Montage über die Maschinenbestückung bis hin zu Logistik- und Schweißprozessen präsentiert. Viele Lösungen richteten sich dabei gezielt an kleine und mittelständische Unternehmen, die erste Schritte in Richtung Automatisierung gehen möchten. 

Ein häufiges Argument der Ausstellenden: Cobots sollen Unternehmen dabei helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Gleichzeitig versprechen die Herstellenden einen einfachen Einstieg in die Robotik. Dank intuitiver Bedienkonzepte, grafischer Benutzeroberflächen und sogenannter Lead-Through-Programmierung können viele Anwendungen ohne umfangreiche Programmierkenntnisse eingerichtet werden.

Besonders für produzierende Betriebe mit hoher Variantenvielfalt und kleineren Losgrößen ist das attraktiv, da sich die Systeme vergleichsweise schnell an neue Aufgaben anpassen lassen. Zudem punkteten die ausgestellten Cobots mit niedrigeren Investitions- und Installationskosten gegenüber klassischen Industrierobotern. Erwerben kann man einen solchen Roboter schon für rund 5.000 Euro.  

Spannend war indes die Frage, wie sich die Mensch-Cobot-Interaktion in der Praxis von Industrie- und Logistikunternehmen tatsächlich gestaltet. Wirklich kollaborative Settings würden voraussetzen, dass Mensch und Cobot in einem geteilten Arbeitsraum eine gemeinsame Arbeitstätigkeit an einem Objekt ausführen. 

In Gesprächen mit anwesenden Robotikherstellenden und Systemintegrator*innen wurde jedoch deutlich, dass sich viele Anwendungen auf niedrigere Stufen der Mensch-Cobot-Interaktion beschränken, was sich mit den von Tobias Kopp et al. in Industrie 4.0 Management veröffentlichen Befunden aus dem Jahr 2020 deckt. Bei solch weniger eng verzahnten Formen der Interaktion fällt die trennende Schutzvorrichtung zwischen Mensch und Cobot zwar weg, sie teilen sich jedoch entweder keinen gemeinsamen Arbeitsraum und der Cobot stoppt, sobald ein Mensch in seinen Arbeitsbereich eindringt (Koexistenz) oder sie führen in einem gemeinsamen Arbeitsraum einzelne Arbeitsschritte sequenziell durch, sodass i.d.R. kein physischer Kontakt zustande kommt (Kooperation). Wenngleich Cobots als Leichtbauroboter mit integrierter Kraft- und Leistungsbegrenzung für die direkte Zusammenarbeit mit Menschen entwickelt wurden, wird ihr kollaboratives Potenzial also – so der Tenor – noch immer nicht ausgeschöpft. Begründet wurde dies von den Ausstellenden mit Bedenken hinsichtlich der Arbeitssicherheit und ungeklärten Haftungsfragen.  
 

Ferner berichteten Ausstellende, dass Wissen und Prozesslogiken zunehmend in die Systeme selbst transferiert werden. Während Cobots klar definierte, standardisierte Aufgaben übernehmen, reduzieren sich Tätigkeiten der Beschäftigten, die damit arbeiten, stärker auf die Überwachung, Einrichtung oder einfache Handhabung des Roboters. Wo das der Fall ist, verschiebt sich der Kompetenzbedarf teilweise weg von komplexer Facharbeit hin zu eher bedienenden Tätigkeiten – mit entsprechend geringeren Qualifikationsanforderungen in den betroffenen Anwendungsfeldern. Diese Einschätzung deckt sich mit den 2023 von Jéssica De Assis Dornelles et al. im International Journal of Production Research publizierten Studienbefunden, wonach auf niedrigeren Stufen der Mensch-Cobot-Interaktion in der Fertigung Deskilling-Effekte (Abbau oder Reduktion von Kompetenzen bzw. deren Bedeutungsverlust im Arbeitsprozess) zu verzeichnen sind.    

Für das KLAWEST-Projekt, das mit der zukünftigen Gestaltung betrieblicher Weiter-bildung in der Industrieproduktion und Logistik befasst ist, hat der Austausch mit Branchenkenner*innen auf der Messe wertvolle Einblicke in die betriebliche Praxis Cobot-unterstützte Arbeitsumgebungen geliefert. Wir nehmen insbesondere mit, dass auch Industrie- und Logistikbeschäftigte in KMUs zunehmend mit system-nahen Tätigkeiten betraut sind und im Gegenzug die manuelle Ausführung fachlicher Arbeitsschritte abnimmt. Für die betriebliche Weiterbildung rücken damit Fragen in den Vordergrund, wie fachliches Verständnis und praktisches Können gesichert bleiben, wenn Arbeit zunehmend in technisierte Prozesssteuerung übergeht, um z.B. bei Störungen oder Systemausfällen noch ausreichend manuelle Handlungskompetenz vorzuhalten. Darüber hinaus wirft eine rückläufige Relevanz der betrieblichen Facharbeit natürlich noch viel mehr sehr grundlegende Fragen für die berufliche Bildung hervor, die aber nicht Gegenstand von KLAWEST sind.  

Für weitere Ausführungen und Anschauungsmaterial rund um den Besuch der all about automation lohnt ein Blick in unsere Präsentation.



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