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ifib Insights: Im Gespräch mit Anna Ricarda Luther

Was bedeutet eigentlich wissenschaftliche Mitarbeit bei ifib research und wie funktioniert das, währenddessen zu promovieren?  

ifib Insights ist eine Reihe, die Leser*innen spannende Einblicke in die vielfältigen Tätigkeiten des Forschungs- und Beratungsalltags gibt. Mitarbeiter*innen beantworten in interessanten Interviews Fragen zu ihren beruflichen Werdegängen, aktuellen Projekten, ihrer Arbeit am ifib und vielem mehr!   

Ricarda Luther, wissenschaftliche Mitarbeiterin (WiMi) bei ifib research, erzählt von ihrem Arbeitsalltag zwischen ihrer Promotion im Fach Informatik und ihren Projekten und Tätigkeiten als WiMi. Dieser abwechslungsreiche Job bietet ihr die Chance sich wissenschaftlich zu verwirklichen: „Genau so hatte ich mir das auch vorgestellt!“ 

 

Wer bist du und wie bist du zum ifib gekommen?  

Anna Ricarda Luther (sie/ihr) arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifib. Sie hat zuvor ihren Bachelor und Master in Cognitive Science an der Universität Osnabrück absolviert. Dieser Studiengang ist sehr interdisziplinär aufgestellt. Er verbindet Psychologie und Neurobiologie aber auch Linguistik und Informatik, maschinelles Lernen und KI.  

Direkt nach dem Studium hat Ricarda Ende 2023 im Projekt We The Social Media (WTSM) als wissenschaftliche Mitarbeiterin angefangen. Dort untersucht sie, wie Mitglieder sozialer Bewegungen Social Media nutzen und wie diese Netzwerke zur Unterstützung von Aktivismus verbessert werden können. Im Rahmen des Projekts promoviert sie außerdem an der Universität Bremen. Diesen Entschluss hatte Ricarda schon früh gefasst: „Mein Studium war sehr forschungsorientiert. Mit der Entscheidung zum Master war mir schon klar, dass ich in der Forschung arbeiten möchte.“ Am ifib und dem Projekt WTSM hat sie die Interdisziplinarität gereizt. Um die Probleme unserer Zeit der digitalen Transformation zu lösen, braucht es diese Zusammenarbeit von Expert*innen aus unterschiedlichen Disziplinen.  

 

Woran arbeitest du gerade und was macht dir dabei besonders viel Spaß?    

Im Projekt WTSM hat Ricarda gerade eine Delphi-Studie abgeschlossen. Mit dieser Methode kann man eine Expert*innengruppe einen Konsens zu einem bestimmten Thema erarbeiten lassen. Gerade in Fragen zu neuen technischen Lösungen gibt es keine einfachen Ja-Nein-Antworten und das kann dort abgebildet werden. Dazu wurden über drei Befragungswellen politisch aktive Social Media Nutzer*innen, die Erfahrungen mit Hassrede gemacht haben zu Lösungsvorschlägen für bessere Content-Moderation im Umgang mit Hassrede befragt. Das Besondere an der Studie ist, dass die Teilnehmenden anonym ihre Meinung zu den Vorschlägen der anderen Befragten abgeben und bestehende Vorschläge beurteilen. Im Gegensatz zu Fokusgruppen wird hier ein Austausch ohne die sozialen Dynamiken ermöglicht. Das Sample macht die Ergebnisse besonders spannend, da Betroffene von Hassrede an der Entwicklung von Lösungen mitarbeiten können. So wurden über die Befragungsdurchgänge gemeinsam Ideen dazu entwickelt, welche Funktionen es braucht, um Social Media für Aktivist*innen sicherer und besser moderiert zu machen.  

„Zu den ersten Ergebnissen habe ich ein Paper geschrieben. Das ist gerade bei der CHI in Review und ich hoffe, dass die Veröffentlichung klappt.“ berichtet Ricarda stolz. Sie ist begeistert von der Methodik der Studie: „Im Bereich Human Computer Interaction ist die Delphi-Methode nicht so etabliert. Wir sehen aber viel Potential und Anwendungsfälle, um die sehr offenen Fragen der Disziplin zu erforschen.“ Mit dieser Überzeugung ist schon das nächste Paper in Planung.  

Jetzt steht als nächstes das Ranking der erarbeiteten Lösungsvorschläge an. Das Team hat beispielsweise verlässlich funktionierende Wortfilter für Kommentare als wichtig identifiziert. Diese sollen dann auch in Form einer Browserextension implementiert und getestet werden.  

We The (Social) Media ist Teil des Verbundprojekts DataNord (Interdisziplinäres Datenkompetenzzentrum für die Region Bremen). Neben Ricarda und Prof. Dr. Andreas Breiter vom ifib sind Prof. Dr. Stephanie Geise (ZeMKI) und Prof. Dr.  Sebastian Haunss (SOCIUM) von der Universität Bremen sowie Prof. Dr. Hendrik Heuer vom Center for Advanced Internet Studies (CAIS) Teil des Projektteams. Die Forschenden aus den Fachrichtungen Informatik, Politik- und Kommunikationswissenschaft ergänzen sich dabei in der Zusammenarbeit.  

Neben dieser Forschungsarbeit macht Ricarda auch die StuMi-Koordination. Sie ist aktuell gemeinsam mit Veronika Graceva für die Betreuung der studentischen Mitarbeiter*innen am ifib zuständig. Sie kümmern sich um Bewerbungsverfahren und Einarbeitung, geben Feedback und bilden die Brücke zum restlichen Kollegium. „Es macht Spaß, damit auch aus der wissenschaftlichen Bubble rauszukommen und institutionell eingebunden zu sein.“ 

 

Du promovierst aktuell, was machst Du da und wie funktioniert das? 

Ihre Dissertation hat Ricarda im Fach Informatik angemeldet und wird dort auch von Prof. Dr. Andreas Breiter betreut. Es geht dabei um die Gestaltung von persönlicher Moderation auf Social Media Plattformen.  

Ricarda ist dabei eine kumulative Promotion zu machen. Das bedeutet, dass sie mehrere Publikationen veröffentlichen und diese mit einem Manteltext zusammen als Dissertation einreichen wird. Dies findet parallel aber auch in inhaltlicher Überschneidung mit der Projektarbeit als WiMi statt.  

Diese beiden Sachen bekommt Ricarda gut unter einen Hut. Sie hat bereits zwei Jahre der Laufzeit absolviert und zieht ein positives Zwischenfazit: „Die Vereinbarkeit funktioniert für mich in Vollzeit gut, so habe ich mir das auch vorgestellt als ich mich beworben habe. Ich kann mich wissenschaftlich so austoben wie ich es gerne mag und meinen Interessen nachgehen.“ 

Die Überschneidung zur WiMi Tätigkeit findet sich auch im Kompetenzaustausch mit Kolleg*innen am ifib: In manchen Projekten werden Forschungsergebnisse angewandt, an manchen Stellen gibt es ähnliche Projektstrukturen, von denen man lernen kann und es gibt auch viele andere Doktorand*innen am Institut. „Wir haben Austauschformate, zum Beispiel um gemeinsam zu Schreiben oder auch im ifib Kolloquium, in dem wir uns gegenseitig den Stand und aktuelle Herausforderungen unserer Promotionsprojekte vorstellen. Davon profitiere ich auch sehr.“ 

 

Auf welchen Erfolg aus der letzten Zeit bist du besonders stolz? 

Das Paper zur Delphi-Studie ist für Ricarda aktuell ein großer Erfolg. Egal, ob es am Ende veröffentlicht wird, hat sie für das Thema und den Ansatz, von dem sie überzeugt ist, alles gegeben.  

Dieses Jahr war Ricarda mit Kolleg*innen mit einem Vortrag zu Content-Moderation auf der Konferenz re:publica25 vertreten. Vorträge sind Teil der Wissenschaftskommunikation, die Ricarda auch gerne als Teil ihrer Forschungsarbeit macht. Auf den re:publica Auftritt ist sie besonders stolz, weil das Publikum ein anderes war als bei den wissenschaftlichen Vorträgen, die sie bisher gehalten hatte. Hier waren Menschen aus der Medienbranche vertreten, die innovative Lösungen im Bereich Content-Moderation sogar umsetzten könnten. Es war eine neue Herausforderung ihnen die eigenen Forschungsergebnisse ansprechend und zugänglich zu vermitteln. Mit den Rückmeldungen der Expert*innen und dem spannenden Austausch im Anschluss wurde das Team aber belohnt.  

 

Was macht das ifib als Arbeitsplatz besonders? Wie ist die Arbeitsatmosphäre? 

Am ifib hat Ricarda vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Kolleg*innen angesprochen. Hier arbeiten Expert*innen aus Informatik, Geistes- und Sozialwissenschaften und Lehramt zusammen. Das ergänzt sich methodisch, inhaltlich und in Arbeitserfahrungen sehr gut. Durch die Tochtergesellschaft ifib consult GmbH bekommt Ricarda auch Einblicke in andere Berufsbilder. Zum Beispiel, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in der Beratungspraxis genutzt werden können oder welche organisatorischen Strukturen das Forschungsinstituts und die Beratungsfirma ausmachen. Es herrscht eine kollegiale Arbeitsatmosphäre. Auch mit den Kolleg*innen aus anderen Projekten und von der ifib consult tauscht man sich in großen Institutsrunden, bei Klausurtagungen oder auch gemeinsamen Team-Events aus. 

Die flexiblen Arbeitsmöglichkeiten und die Gestaltungsmöglichkeiten der Projektarbeit, Dissertation aber auch dem Arbeitsalltag an sich, machen die Arbeit am ifib für Ricarda aus. „Wenn ich etwas beim ifib verändern könnte? Da fällt mir eigentlich nur eine bessere Kaffeemaschine ein. Alles andere gefällt mir wirklich.“ 

 

Gibt es etwas, das Du Berufseinsteiger*innen raten würdest? 

Sie rät neuen Kolleg*innen am ifib sich die Ressourcen und Erfahrungswerte der Kolleg*innen zunutze zu machen, aber auch mutig eigene Schritte zu gehen: „Man kann sehr viel von anderen lernen, aber es wichtig sich zu trauen, auch etwas Eigenes aufzubauen.”  

Generell rät Ricarda Berufseinsteiger*innen viele Fragen zu stellen: „Auch wenn man denkt, das ist eine doofe Frage, das ist es oft nicht. Wenn man gerade am Anfang viel nachfragt, kann man sich viele Sorgen sparen. Hier am ifib habe ich sehr offene Kolleg*innen, die einem nicht das Gefühl geben, dass Fragen stören. Das hat mir schon bei der Einarbeitung geholfen.“  

 

Herzlichen Dank an Anna Ricarda Luther für die spannenden Einblicke in ihren Arbeitsalltag und Werdegang. Wir freuen uns, deine wissenschaftliche Laufbahn weiter zu begleiten!  

Du hast die letzte Ausgabe von ifib Insights verpasst? Kein Problem! Hier gelangst du direkt zum Beitrag. In der letzten Ausgabe gewährte uns Cinja Straube einen Einblick in ihre vielfältige Arbeit als Verwaltungsmitarbeiterin am ifib. 



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