Verantwortung, Vision, Personalüberblick – Wie ist das als Mitarbeiter der „1. Stunde“ des Instituts heute im Leitungsteam zu sein?
ifib Insights ist eine Reihe, die Leser*innen spannende Einblicke in die vielfältigen Tätigkeiten des Forschungs- und Beratungsalltags gibt. Mitarbeiter*innen beantworten in interessanten Interviews Fragen zu ihren beruflichen Werdegängen, aktuellen Projekten, ihrer Arbeit am ifib und vielem mehr!
Stefan Welling, stellvertretender Institutsleiter des ifib, berichtet aus seinem Arbeitsalltag in der Institutsleitung und schaut zurück auf seinen Werdegang als Gründungsmitglied des Instituts. Was macht das Institut heute aus und was ist ihm in seiner Arbeit wichtig?
Wer bist du und wie bist du zum ifib gekommen?
Stefan Welling (er/ihm) ist stellvertretender Institutsleiter des ifib. Er absolvierte seinen Diplom-Sozialwirt an der Uni Göttingen und promovierte danach an der Uni Bremen zu Medienbildung in außerschulischen Bildungskontexten. Der Weg in die Wissenschaft hat sich für Stefan erst gegen Ende des Studiums eröffnet. Im Rahmen seiner Diplomarbeit und während eines einjährigen Aufenthaltes an der Graduate School of Communication der University of California in San Diego kam die Begeisterung für das Feld digitale Medien und Bildung auf.
Zunächst arbeitete Stefan als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Telekommunikation von Prof. Dr. Herbert Kubicek an der Uni Bremen. Aus dieser Gruppe gründete sich 2002 das Institut für Informationsmanagement, sodass Stefan zu den Mitarbeitern der 1. Stunde gehörte. Seitdem hat er im Haus viele Prozesse und Projekte mitgestaltet und 2014 die Position als stellvertretender Institutsleiter übernommen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Breiter und Björn Eric Stolpmann leitet er das ifib und dessen Tochtergesellschaft, die ifib consult.
Wie unterscheidet sich deine aktuelle Tätigkeit von den bisherigen Stationen im ifib?
Als Mitglied der 1. Stunde hat Stefan unterschiedliche Stationen im ifib durchlaufen. Er hat in diversen Projekten gearbeitet und sehr viel dabei gelernt. „Man bleibt aber letztlich doch stark auf seine Projekte beschränkt und irgendwann fragst Du Dich dann schon, ob du das dein ganzes Berufsleben lang machen willst?“ Als dann Martin Wind als einer der Geschäftsführer das ifib verließ, musste er nicht lange überlegen, als ihm angeboten wurde, in die Leitung des ifib zu wechseln. Mit dem Wechsel hat sich Stefans Rolle stark verändert. So trägt er z. B. deutlich mehr Verantwortung für die Projektakquise als zuvor, ist zentraler Ansprechpartner für die Personalentwicklung im ifib und übernimmt bedarfsweise verschiedenste Aufgaben, die im Leitungsalltag anfallen. Er arbeitet aber immer auch noch in Forschungsprojekten und möchte das auch nicht missen.
Woran arbeitest du gerade?
Aktuell begleitet Stefan zum Beispiel das Verbundforschungsprojekt DiSiKit (Diversitätsreflexive Spielmaterialien. Appgestützte Praxisbegleitung in Kitas). Gemeinsam mit Svenja Garbade verantwortet er DiSiKit Develop. Hier wird eine App für die Praxisbegleitung von pädagogischen Fachkräften entwickelt. Ende letzten Jahres startete außerdem das Verbundprojekt KLAWEST (Kompetenzvermittlung, Lernförderlichkeit und Arbeitskulturen für reaktionsfähige dynamische Wertschöpfungsstrukturen). Mit Verena Kothe forscht er hier am Beispiel der Logistik und der industriellen Produktion zur Frage, welche Kompetenzen die Beschäftigten dort zukünftig benötigen werden und wie man diese am besten fördert.
Für das ifib steht in diesem Jahr eine weitere große Veränderung an: Die Büros in den Räumlichkeiten am Fallturm 1 werden umgebaut. Die Planung dieser Maßnahme hat die IL und beteiligte Arbeitsgruppen im Kollegium bereits viel Zeit und Überlegungen gekostet. Im Zentrum steht die Einrichtung moderner Arbeitsplätze, die einladend für das Team aus Forschenden und Berater*innen von research und consult sind. Durch eine Umgestaltung der Arbeitsplätze entsteht die Möglichkeit zur Arbeit an geteilten Arbeitsplätzen vor Ort; Videocall-Arbeitsplätze und ein Sozialraum werden eingerichtet. Stefan erhofft sich nach den Anstrengungen der Planung und einer hoffentlich reibungslosen Umsetzung ein Arbeitsklima vor Ort, in dem sich alle wohlfühlen und gerne ins Büro kommen. Außerdem freut er sich sehr, dass damit einer der ‚Endgegner‘ des ifib endlich in die Knie gezwungen werden kann.
Was ist eine aktuelle Entwicklung im ifib, die besonders spannend ist?
„Unser Social-Media-Team und die Entwicklung unserer Öffentlichkeitsarbeit sind eine tolle Entwicklung der letzten Zeit.“ Das Thema kam bei einer Klausurtagung 2024 auf den Tisch und seitdem hat sich viel getan. Stefan hat sich für die IL immer wieder für das Thema eingesetzt, das Team (aktuell eine studentische Mitarbeiterin (Anna-Lena Kramer), zwei Wissenschaftlerinnen (Paula Goerke, Lena Wollenberg) und eine Junior Beraterin (Stephanie Dohrmann) mitaufgebaut und unterstützt. Das ging nicht von heute auf morgen und erforderte von allen Beteiligten Geduld, Beharrlichkeit und Vertrauen: „Das war nicht immer leicht, aber es hat sich ausgezahlt. Heute haben wir ein tolles Team, das diesen Bereich selbstständig verantwortet.“ Dass es z. B. heute unterschiedliche Interviewformate (wie ifib insights) und neuen organischen Content auf LinkedIn gibt, sei ein toller Erfolg für die Sichtbarkeit des Instituts. „Damit sind wir bei der Wissenschafts- und Außenkommunikation unserer Projekte und Ergebnisse deutlich besser aufgestellt als früher.“
Gibt es ein Projekt, an dem du gearbeitet hast, auf das du besonders stolz bist?
Zuerst gab es ein Projekt, das Stefan besonders viel Spaß gemacht hat: die MeMoApp - Medienkompetenz für mobiles appbasiertes Lernen und Arbeiten. „Wir haben im Rahmen des Projektes u.a. Gruppendiskussionen mit Lastkraftfahrern gemacht. Das war eine sehr spannende Feldforschung“
Stolz blickt Stefan auch auf die Monographien zurück, die am ifib in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, u.a. zwei umfangreiche Studien zur Medienintegration in Grund- und weiterführenden Schulen für die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. „Daran haben immer viele Kolleg*innen gearbeitet und es ist natürlich gut, wenn die Ergebnisse unserer Arbeit mit solchen Publikationen eine große Reichweite erfahren.“
Welchen Herausforderungen begegnest du aktuell im Arbeitsalltag?
In der Institutsleitung ist Stefan auch Ansprechpartner für Personalfragen. Wenn es im Team Schwierigkeiten gibt, kann das herausfordernd sein. „Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, aber glücklicherweise haben wir im Institut einen guten kollegialen Umgang, sodass es an dieser Stelle seltenst eskaliert.“ Herausfordernd ist auch die Akquise von Forschungsprojekten. Das, so Stefan, sei in den letzten Jahren zunehmend anspruchsvoller geworden. „Teilweise haben wir Ausschreibungen für Förderprogramme, auf die 200 und mehr Anträge eingehen, von denen am Ende 20 gefördert werden. Das ist dann schon ein bisschen wie Lotto“, gibt Stefan zu bedenken. Bisher hat man diesen Herausforderungen aber immer gut begegnet.
Was macht das ifib für dich als Arbeitsplatz besonders?
„Mir gefällt die Flexibilität der Arbeit; die meisten Tätigkeiten kann ich im Büro, aber auch von zu Hause aus, ausführen. Ich bin selbst gerne vor Ort im Büro. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es noch mehr Austausch und Zusammenarbeit in Präsenz. Ich habe die Hoffnung, dass der Umbau mit den modernen Arbeitsplätzen und flexiblen Möglichkeiten dazu einlädt und die Kolleg*innen motiviert, häufiger als jetzt im Büro zu arbeiten. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese räumliche Veränderung auf die Organisation und die Zusammenarbeit auswirken wird.“
Stefan betont, dass der Output und die Qualität der Arbeit natürlich sehr hochwertig sind, auch wenn sich nicht immer alle Kolleg*innen vor Ort treffen. Die unterschiedlichen Tätigkeiten und Arbeitszeitmodelle machen das ifib zu einer flexiblen Organisation. Die Arbeitsatmosphäre beschreibt Stefan als freundlich und geprägt von gegenseitiger Unterstützung.
Gibt es etwas, das Du Berufseinsteiger*innen raten würdest?
„Als Erstes, Ruhe bewahren und in die eigenen Fähigkeiten vertrauen, denn wir erleben immer wieder, dass neue Mitarbeitende – gerade wenn sie noch keine oder nur sehr wenig Berufserfahrung haben – wenig Vertrauen in die eigene Kompetenz haben. Das kann sehr belastend sein.“ Neben den inhaltlichen Anforderungen gesellen sich die organisatorischen Anforderungen wie z. B. die Arbeitszeiterfassung. Im besten Fall sind solche Dinge in einem Organisationshandbuch dokumentiert. Man muss das aber auch lesen. Stefan kann das nur empfehlen, gerade um existierende Pain-Points, die es in jedem Unternehmen gibt, zu umschiffen. Im ifib bekommen neue Mitarbeitende außerdem einen sogenannten Buddy an die Seite gestellt, eine Kolleg*in, die schon länger im Betrieb ist und für Fragen rund um die Organisation ansprechbar ist.
Welche Ziele verfolgt das ifib, was siehst du in der Zukunft der Organisation?
Ein Ziel des ifib ist es, Wissen zur Verfügung zu stellen, mit dem andere etwas anfangen bzw. arbeiten können. Die ifib consult macht das ganz konkret in ihrer Beratungsarbeit, sagt Stefan: „Ein großer Teil unserer Forschung ist anwendungsbezogen und wir bieten mit unserem Transferarm, der consult wissenschaftsbasierte Beratung an. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Dabei fließen z.B. viele unserer Erkenntnisse aus der Medienbildungsforschung direkt in die Beratung im Bereich Digitale Schule und Bildung ein.“
Eine große Herausforderung im Kontext der digitalen Transformation ist die Verbreitung und Aneignung Künstlicher Intelligenz. Das betrifft zum einen die Relevanz von KI als Forschungs- und Beratungsthema. In der Forschung wird das bereits adressiert, an prominenter Stelle z. B. im Projekt ComAI- Kommunikative KI in der Bildung. Damit einhergeht die Nutzung von KI als Werkzeug für Forschung und Beratung. Auch an dieser Stelle ist die Dynamik hoch und es bleibt abzuwarten, wie sich die beiden Bereiche verändern werden. Unabhängig davon ist das Selbstverständnis, mit dem Stefan und die IL das ifib auch in Zukunft gestalten wollen, geprägt von einem kritischen Wissenschaftsbegriff, den es zu bewahren und, wo nötig, auch zu verteidigen gilt: „Uns ist es wichtig, kritisch, unabhängig und transparent zu sein und zu bleiben.“
Herzlichen Dank an Stefan Welling für die spannenden Einblicke in seinen Arbeitsalltag und Werdegang. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte im ifib!
Du hast die letzte Ausgabe von ifib Insights verpasst? Kein Problem! Hier gelangst du direkt zum Beitrag. In der letzten Ausgabe erklärte Anna Ricarda Luther ihre aktuelle Tätigkeit als WiMi am ifib.